Die neuesten Beiträge aus dem Manuscriptum-Blog:

Corona und die Realitätsfinsternis

Zum zweiten Mal in diesem Jahr hamstern die Deutschen Klopapier. Doch eins ist anders als im Frühling. Die Regierung verspricht eine „Klopapier-Garantie“. Selbst wenn niemand mehr das Haus verlassen darf, gibt es also Klopapier und Helikoptergeld in Hülle und Fülle. Damit ist doch alles in Butter, oder?
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Freiheitsgrade in Zeiten kollektiver Irrtümer

In den Niederlanden sorgte in den letzten Jahren der Fall einer an Alzheimer erkrankten Frau für Aufsehen und Entsetzen, die gegen ihren ausdrücklichen Wunsch getötet wurde, weil die Familie der aktiven Sterbehilfe zustimmte. Der Hintergrund: Die Frau hatte in einer Patientenverfügung geregelt, daß ihr Leben bei einem unerträglichen Leiden beendet werden dürfe.
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Mein Großvater und das Deutsche Reich

Menschen, die bereits tot waren, bevor man selbst geboren wurde, bleiben im Geist auf seltsame Weise unsterblich. Die Distanz zu der eigenen Lebenswelt macht sie nicht nur ungreifbar, sondern auch unangreifbar. Der Tod kann ihnen nichts mehr anhaben, da sie so gesehen ja seit jeher in dessen Sphäre „leben“.
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Heilige Kuh, filetiert

„Unser Grundgesetz!“ – umflort man diese Worte nicht schon beim Lesen mit dem Feiertags-Timbre eines x-beliebigen Bundespräsidenten der letzten 70 Jahre? Hört man sie überhaupt noch anders als quasi sakral? Wenn nicht, so der Jurist Jochen Lober, müssen sie runter von ihrem Podest, da sie auf diesem zu unrecht ruhen. Denn „unser“ BRD-Grundgesetz ist zum Gutteil eines der Besatzer, die bei seiner Abfassung die Feder und sogar noch bei der Wiedervereinigung die Verhandlungen führten. Und sind wir denn heute souverän? Ein Aufklärungsbuch.
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Victor Klemperer 2.0


Klemperers berühmtes Buch LTI, das 1947 die Wirkungsweisen der Nazi-Sprache durchforschte und ihre Manipulationen im Wortdetail nachwies, ist heutzutage ein historisch abgelegtes Werk, gut für brave Hausarbeiten. Nie aber wird sein Ansatz für den polit-medialen Sprachgebrauch unserer Tage aufgegriffen. Dabei wäre es doch gerade lohnend, zu erkennen, welche parallelen Mechanismen heute noch gültig sind und mit verändertem Sprachmaterial auf unser Unbewußtes einwirken. Michael Esders‘ Sprachregime wagt sich an diese Herkulesaufgabe und öffnet einem wahrhaft Augen und Ohren.
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Rebsorten-Erotik von 1876

Ein Buch aus lang vergangener Zeit, das Lust und Durst macht sowie das Auge zur komplex-sinnlichen Naturwahrnehmung instruiert. Hat man schon einmal die Äderchen eines Weinblattes, etwa die des Grünen Sylvaners, so anziehend gefunden, daß man nicht mehr wegschauen mochte? Oder die kleinen prallen, wie aus innerer Glut heraus leuchtenden Trauben des Rothen Traminers? Oder die fahl-schimmernden grünen Früchte des Knipperles? Ein Bildungserlebnis der besonderen Art: Begehren und tiefe Achtung vor den Hervorbringungen unserer Böden greifen ineinander.
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