TUMULT - Frühjahr 2024
INHALT
Carsten Germis
Schmerzensschreie des Populismus
Zur Ausgabe Frühjahr 2024
SCHNEISEN
Frank Böckelmann Gesicht und Land
Daniele Dell‘Agli
Abschied von der Menschenrechtsreligion
Teil I: Schwächen und Missbrauch einer Ideologie
Hans Günter Holl
Reale Dekonstruktion
Beschwörung »europäischer Werte« als Sprachverwirrung
Till Kinzel
Rückkehr des Großraums, Rückkehr der Strategie?
Das Ausweichen auf globalen Klimaschutz ist nur ein Strategiesurrogat
Markus C. Kerber
Deutsche Strategen im Blindflug
Um wehrfähig zu werden, braucht die Bundesrepublik vor allem eine politisch-intellektuelle Aufrüstung
Werner Sohn
Alternative Kriminalpolitik?
Eine Skizze am Beispiel der Bewährungshilfe
BELICHTUNGEN
Frank Lisson
Von der Liebe zur Verachtung
Der übermoderne Staat und der Hass als Mittel der Herrschaftssicherung
Baal Müller
Faust, der Querdenker
Wandlungen eines nationalen Mythos
Simon Kießling
Die Geschichte bleibt offen
Universalstaat und Universalreligion in Zeiten des Transhumanismus
Claus Folger
Die fabelhafte Welt der Klimawissenschaftler
Chaotische Systeme folgen keinem eindeutigen, allgemeingültigen, also vorhersehbaren Muster
Uta Klotz
Ein Grenzgänger
Jean-Paul Raymond und die Suche nach der Schönheit in zwei Ländern
RÄUME DES POLITISCHEN
Bettina Gruber
Opfergedenken in Zeiten des »Antifaschismus«
Die Farce um das Dresdner »Denkmal« zur Erinnerung an die Opfer des Luftangriffs im Februar 1945
Bernd Schick
Mythos Revolution
Zur Ontologie einer Pathosformel
Beate Broßmann
Der gespaltene Mensch
Teil I: Hyperrationalität und Psyche
Norbert Müller
Die Meisterin des Bluffs
Gerade weil Annalena Baerbock Feminismus und Außenpolitik nur simuliert,
ist sie im grün-woken Milieu so beliebt
Alfred Schlicht
Der Islam als Gefährdung Europas
Der Koran über Nichtmuslime – und die Folgen
LANDSCHAFTEN
Jonathan Meynrath
Zu tief für die Welt
Über Ernst Bertrams Deutschland und »Vineta«
Ernst Bertram
Gedichte aus »Vineta«
Till Röcke
Nachruhm
Artur Abramovych
Ostslawischer Kranz
Jörg Schnatz
Nomaden im Rückspiegel
Die Orientreisen Friedrich Sieburgs und Annemarie Schwarzenbachs
Zu den Autoren
Impressum
Zu den Bildern
Wir zeigen in diesem Heft 18 Werke des französischen Künstler Jean-Paul Raymond, dessen Spezialität die Arbeit mit Glas ist. Der 1948 im Südwesten Frankreichs geborene Künstler gehört zu den international bekanntesten Vertretern seines Fachs. Schon als Kind war Raymond von Feuersteinen und ihrer durchscheinenden Zartheit ebenso fasziniert wie von der archaischen Kraft der mächtigen Tierkörper in den Höhlenmalereien aus der Jungsteinzeit. Statt die Patisserie des Vaters zu übernehmen studierte Raymond, für den auch gutes Essen und Trinken eine Frage der Kultur ist, in Bordeaux Literatur. Dort lernte er die Welt der – auch heute noch sehr jungen – Studio-Glasbewegung kennen. In St. Emilion eröffnete er in den 1970er Jahren sein erstes eigenes Glasstudio.
Die moderne Glaskunst mit ihren sehr unterschiedlichen Bearbeitungstechniken hat das Glas aus einer jahrtausendealten Funktionsabhängigkeit gelöst und Künstlern damit einen neuen, frei gestaltbaren Werkstoff geschenkt. Das ist es, was Raymond reizt: Ein altbekanntes Handwerksmaterial wird als Medium der Wiederverzauberung des urbanen Geländes entdeckt. Und Raymond ist nicht allein. Was das Glas und die Kunst angeht, herrscht heute in ganz Europa Aufbruchstimmung.
Entsprechend breit ist das Repertoire Raymonds. Stelen, Scheiben in kunstvollen Ständern, optisches Glas und Kirchenfenster, Licht, Transparenz und die Leuchtkraft der Farben zeugen von der starken Faszination, die das Glas nicht nur auf den Künstler, sondern auch auf die Betrachter ausübt. »Glas ist verführerisch, glatt, kann allein mit der Oberfläche reizen«, sagt Raymond. Bearbeitet wird das Glas mit Hammer und Meißel und thermischen Schocks. »Es ist auch eine sinnliche Arbeit und schwer zu sagen, ob der Weg, den die Materie mich geführt hat, die Erinnerungen der Kindheit wieder geweckt hat oder ob die alten Bilder mich gelenkt haben.«
1993 zog Raymond nach Köln und richtete sich in der Alten Feuerwache ein geräumiges Atelier ein. In letzter Zeit hat er seinen kreativen Handlungsspielraum noch erweitert. Skizzen und Entwürfe fertigt er in seinem Studio; dann realisiert er die Arbeiten gemeinsam mit renommierten Werkstätten. Auf Wunsch fertigt er aus Glas auch Möbel wie Tische oder Spiegel an. Seit 2019 haben 18 Glasstelen des Künstlers im Kurpark von Bad Münder ihren Platz gefunden. Mit ihnen hat er Motive der Weserrenaissance aufgegriffen; auf diese Weise erneuern und spiegeln sich die alten Kontakte der Region zum Mittelmeerraum. Obwohl der Südfranzose nach eigenen Angaben die Harmonie liebt, ziehen ihn die Gegensätze an. Das zeigt sich in seiner Kunst, in der er die Welt des Feinen und der Ästhetik mit der archaischen Kraft des Ursprünglichen nährt. »Für mich vereint Glas Gegensätze«, sagt er. »Das ist sein Reiz und seine Herausforderung.« (Dazu siehe auch den Beitrag »Der Grenzgänger« von Uta Klotz)