Alexander Gauland

Helmut Kohl. Ein Prinzip

Alexander Gauland schrieb sein vielschichtiges Portrait vor einem Vierteljahrhundert, als er selbst der CDU noch aktiv verbunden und Kohl "sein" Kanzler war. Es steckt darin eine Zuversicht und Tatkraft, die der Autor bekanntermaßen später in einer alternativen, der CDU abgewandten Partei zu echter Entfaltung bringen sollte. Das Buch beschreibt so gesehen den Lebensweg Kohls und dokumentiert, was wir erst heute erkennen, einen Ausschnitt aus Gaulands politischer Individuation. Es entsteht ein schillerndes, im Spiegel der Zeit gebrochenes Doppelportrait.
Erweiterte Neuausgabe
Klappenbroschur
176 Seiten

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ISBN: 978-3-948075-11-8
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Beschreibung

Details

Als sich vor Jahren einmal linke Demonstranten vor einer als konservativ gebrandmarkten Bibliothek einfanden, ertönte durch das Megaphon der folgende Kampfspruch: "Das sind Faschos! Die haben da drin Bücher von Gauland! Von Hitler! Von … von Helmut Kohl!" Markanter kann sich die Geschichtsignoranz vieler heutiger Linker wohl kaum desavouieren. Doch stoßen inzwischen die politischen Eliten in ähnliche Hörner, etwa die der CDU, wenn sie allenthalben undifferenziert Nazi-Alarm schlagen und ferner unterstreichen, daß sie mit den traditionellen Prägungen der Christdemokratie rein gar nichts mehr verbindet.

Umso augenöffnender ist dieses klug abwägende Buch. Wie in einer Zeitreise führt es den Leser zurück in eine Epoche der BRD-Geschichte, die politisch von einer ebenso farblosen wie wirkmächtigen Gestalt dominiert wurde. Helmut Kohl, die Verkörperung des Parteisoldaten, realisierte einerseits die Wiedervereinigung – seine größte Leistung – und verschuldete andererseits die Aufgabe der D-Mark und befähigte die Kanzlerschaft Merkels. Wer war dieser geheimnisvolle und doch uninteressante Mann, an den sich die eigene Partei heute kaum mehr erinnern will?

Pressestimmen

Pressestimmen

Begann schon durch Kohl der Aufstand der Rechten?

In der aktuellen Neuauflage ergründet der AfD-Fraktions- chef die Wesenszüge und das politische Wirken des „Kanzlers der Einheit“. Das Kohl-Buch verrät viel über Gauland selbst – so ist es auch ein Doppelporträt

Alexander Gauland gehört zu den wenigen Politikern, die ihre Bücher nicht schreiben lassen, sondern selbst schreiben. Deswegen verraten sie tatsächlich etwas über Geist und Stimmung des Autors. Gaulands Vorliebe gilt historischen Themen, über die er Standardwerke publiziert (Die Deutschen und Ihre Geschichte; Gemeine und Lords; „Das Haus Windsor; Fürst Eulenburg, ein preussischer Edelmann).

Der Ehrenvorsitzende der AfD nimmt gern faszinierende Staatsmänner aufs Korn – Bismarck, Stresemann, Talleyrand, Disraeli oder Burke. Doch als er 1994 seinen Bundeskanzler und „Parteifreund“ Helmut Kohl erstmals porträtiert, stellt er fest, dass „der überhaupt nicht fasziniert“. Ihn stört Kohls Mittelmaß, Machtgier und engherzige Personalpolitik. Für den Pfälzer gab es nur Freund oder Feind, und wer sich von ihm lossagte, war und blieb ein Verräter.

Was Gauland an Kohl besonders moniert, ist dessen Schicksal, Vertreter einer gewöhnlichen Epoche zu sein. Der demokratische Politiker, so sein Urteil, könne den Staat zwar verwalten, aber nicht mehr darstellen. Alles bleibt im Allgemeinen, starr reglementiert, fantasielos – eben das Prinzip Kohl.

„Warum ich über Helmut Kohl schreibe?“, fragt Gauland und gibt die Antwort: „Kohl ist durch eigenes Verdienst und glückliche Umstände zu einer historischen Figur geworden. Er ist wie kein anderer Politiker ein Repräsentant der alten Bundesrepublik an der Schwelle zur neuen. Sein Abgang war ein Zeichen dafür, dass eine Epoche unwiderruflich endete.“ Das Buch resultiert wohl auch aus der Enttäuschung des Ex-CDU-Staatssekretärs Gauland über den Niedergang seines Kanzlers und seiner damaligen Partei. Da ist die Spendenaffäre, da sind die „schwarzen Kassen“. Die Mär von den „blühenden Landschaften“, die unvollkommene Wiedervereinigung, die verletzten Gefühle der Ostdeutschen, die Aufgabe der D-Mark. Kohls Versagen befähigt Angela Merkel zur Kanzlerschaft. Schon am Ende der Kohl-Zeit formierte sich in konservativen CDU-Kreisen großer Widerstand.

Da fragt sich der Leser: Begann schon durch Kohl der Aufstand der Rechten? Wurde bereits vor 25 Jahren gesät, was die AfD entstehen und wachsen ließ? Gaulands Erstausgabe von 1994 ist prophetisch, findet jetzt in der aktualisierten Neuveröffentlichung ihre Bestätigung.

Doch bei der Beurteilung Kohls kommen sich der Historiker Gauland und der Politiker Gauland in die Quere: „Mangel an Intellekt, Mangel an Zukunftsfantasie, Mangel an Flair und persönlichem Stil“, zitiert er ein FAZ-Porträt anlässlich Kohls erster Regierungsübernahme. Andererseits betont Gauland die Verdienste Kohls als Europäer, wundert sich, dass man dem Realisierer der Wiedervereinigung keine Denkmäler errichtete. „Die Einheit ist sein Verdienst und macht seine historische Größe aus“, schreibt Gauland, „und in einer entscheidenden Weggabelung deutscher Geschichte ist Kohl über jedes Mittelmaß hinausgewachsen.“

Gaulands Werk besticht durch scharfe, fundierte Analyse. „Doch eine abschließende Beurteilung über Kohls Schicksal muss offen bleiben“, meint der Chronist. „Und das kann nicht anders sein, in einer Zeitenwende, in der nichts mehr sicher ist und alles neu bedacht werden muss.“ So könnte der Buchtitel auch lauten: Helmut Kohl, der Unerklärbare.

Peter Hain

https://peterhain.info/

Autor

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