Frank Böckelmann

TUMULT Frühjahr 2020

Vierteljahresschrift für Konsensstörung.

Wir zeigen in dieser Ausgabe 18 Bilder des 1987 in Köln geborenen, seit 2018 in Oberwinter am Rhein arbeitenden Malers und Fotografen Albert Sonnabend. Obwohl er sich in erster Linie als Maler versteht, haben wir uns für eine Auswahl seiner Fotografien entschieden, weil sie Medien und Erträge gesteigerter Empfänglichkeit sind (wohingegen die Gemälde „Tatsachen schaffen“ wollen). Mit seinen Aufnahmen setzt sich der Künstler spürsinnig gegen die inszenierte und inszenierende Umwelt zur Wehr.
Er greift auf das vorindustrielle Werkzeug der Lochkamera zurück, die schon Leonardo da Vinci – als Camera obscura – gebraucht hat. Indem sie den Fotografen nötigt, von der Haltung des Alleskönners abzulassen – er muss zwischen (mehr) Schärfe und (mehr) Helligkeit beziehungsweise zwischen Schärfentiefe und Bildschärfe wählen –, wird der aufgenommene Gegenstand selbst zu einem Hauptfaktor des Bilds. Sämtliche monochromen Fotos in diesem Heft entstammen Lochkameras. Lange Belichtungszeiten versammeln Minuten, ja sogar Stunden der Anwesenheit in einem Bild. So durchbricht Sonnabend die an Benutzeroberflächen geschulte Wahrnehmung. Der fotografische Blick meditiert über eine aufgelassene farnbewachsene Halle, ein verlassenes Glashaus, einen Lagerraum mit Oberlicht, über Verankerungen und Waldflecken.
Zugleich wendet Sonnabend beim Entwickeln der Bilder eine ungewöhnliche Technik an, die den stillgestellten Weltausschnitt der routinierten Betrachtung ebenfalls entrückt: „Auf der Basis von gefriergetrocknetem löslichem Kaffee, Waschsoda und Vitamin C wird eine Entwicklerflüssigkeit angesetzt. Der Entwicklungsvorgang findet hier mit einer ungiftigen Substanz statt. Die Methode – erfunden in den 1990er Jahren für die Entwicklung von Schwarzweißfilmen – bietet experimentelle Möglichkeiten. So sind mit Farbfilmen besondere Tonwerte erreichbar. Körnige bis klare Strukturen werden gestalterisch einsetzbar.“
Wie die monochromen Bilder erfassen auch die farbigen, mit einer Spiegelreflexkamera gefertigten Bilder die „Einordnung des Menschen in das Gewesene“. „Alle Zeit und ihr Vergehen, Durchleben, ja: Ablaufen, läßt sichtbare Spuren“, schreibt er am 7. August 2019 in einem Brief an den Herausgeber. „Diese strahlen ungeachtet aller Erneuerungen nach: Die Verortung eines Menschen und/oder einer Gemeinschaft, gleich welcher Zusammenstellung, bedingt den Blick in alle Richtungen, sowohl über die Schulter ins Vergangene als auch voran ins Kommende.“ Die Sehnsucht nach dem Liegen- und Zurückgebliebenen – der verwahrlosten Geschichte – hat Albert Sonnabend schließlich in den Osten Europas geführt, nach Georgien und in andere kaukasische Regionen, in die baltischen Staaten und die Provinz Kaliningrad (siehe Seite 7, 13, 20, 25, 33, 37, 44, 50 und 56).
112 Seiten, brochiert
ISBN: 978-3-946730-149

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Beschreibung

Details

INHALT

Frank Böckelmann
Weg des geringsten Widerstands
Zur Ausgabe Frühjahr 2020.

SCHNEISEN

Peter J. Brenner - Offene Grenzen, verschlossene Räume.
Sven K. Knebel - Von der Jakobiner ihrer Diktatur.
Bettina Gruber - Die Wissenschaft und ihr Double
Lothar Fritze - Elitärer Kampfbegriff. Der Populismusvorwurf als Diffamierungsinstrument.
Johannes Scharf - Deutsche und Juden. Ursachen des Antisemitismus.

BELICHTUNGEN

Konrad Adam - Jetzt!
Thomas Palzer - Kleine Theologie der Materie.
Stefan Barme - Verlieren wir unsere Sprache?
Jonathan Meynrath - Hölderlin in Stalingrad. Über Harald Schmidt als Reaktionär.

ISLAMISIERUNG

Tilman Nagel - „Der Islamismus hat mit dem Islam nichts zu tun“ – eine westliche Illusion

DAS GESPENNST DER SEXUALITÄT

Siegfried Gerlich - Rape Culture. Feminism on Campus.
Horst G. Herrmann - Ganz in Weiß… Die Unschuld an die Macht.
Lorenz Jäger - Daddy ist weg. Wahrheit, Feminismus und Marielouise Jurreit.

RÄUME DES POLITISCHEN

Albrecht Goeschel und Paolo Goeschel de Carvalho - Deutsches Kriegsmuseum in der Kongresshalle Nürnberg. Teil II: Vorschlag für ein Kriegsmuseum der Entdeckung
Berd Schick - Angela oder das Elend der Vernunft.
Michael Böhm - Der Feind der Kunst – Betrachtungen zur „Erklärung der Vielen“.
Sebastian T. Hartmann - Hässliche Frucht eines psychopathischen Antifaschismus. Das Zentrum für Politische Schönheit.

LANDSCHAFTEN

Uwe Tellkamp - Das Märchenreich am Rhein. Expedition zu den Inseln der Demokratie.
Takasaki - 8259,1 8260,1 8264,1 8265,1
Marc Pommerening - Mikroaggressionen