Frank Böckelmann

TUMULT Herbst 2020

Vierteljahresschrift für Konsensstörung.

Wir zeigen in dieser Ausgabe 18 Bilder des 1965 im altbadischen Meßkirch geborenen und im nahegelegenen Trossingen lebenden Malers und Grafikers Martin Wernert (Näheres S. 110). Sein Bildband „Verfinsterung“ (Gmeiner-Verlag, Meßkirch) erscheint in Kürze mit einem großen Essay Rudolf Brandners: „Vom Geschick des Eros in der Moderne“. Wir zitieren mit freundlicher Genehmigung des Autors: mehr erfahren...




„‘Die primäre Würde des phänomenal Gegebenen, das Erstaunen und der Respekt vor ihm bleiben für mich […] unhintergehbar. Ich beharre auf der Weltanschauung im ursprünglichen Wortsinn.“ (Wernert) Aus dieser Haltung schöpft seine Malerei, die ›eine als magisch erlebte Welt in Bilder umzusetzen und zu verdichten sucht: als Fremder aufwachend in einer unbegreiflichen Welt, deren Bewohner häufig das primäre Erstaunen am phänomenal Gegebenen verlernt haben‹. […] Das Reale […] begegnet in seiner reinen Sachlichkeit unter Abstraktion von allem Subjektempfinden. […] Daraus bezieht das bildhaft Zum-Vorschein-gebrachte seine ganze Ferne und Befremdlichkeit, die auf den Betrachter umschlägt und ihm, wenn auch nur entfernt, das ›eigentliche Geheimnis‹ seines Daseins zu spüren gibt – wie MW notiert: »zugleich zu ihnen (= den Erscheinungen) gehören und außerhalb stehen«. […] In den Bildern vom MW legen die Dinge ihr Sphinxgesicht an; obwohl alles Dargestellte aus dem alltäglichen Umgang mehr oder minder bekannt ist, erscheinen sie inmitten einer fremdartigen Welt, als müssten sie selbst erstaunen über die Befremdlichkeit, da zu sein. […]

Je mehr sich die Bildwelt vom MW von der zuerst noch malerischen Realistik zur fotografischen steigert, desto ›unwirklicher‹ wird die dargestellte Szenerie, desto ›surrealer‹ die ins Magische verwandelte Realistik, desto ›änigmatischer‹ der Bildinhalt. […] Ob ›Anja‹, ›Ina‹, ›Louise‹, ›Claudia‹, ›Mareike‹ oder wie sie alle heißen, nirgends begegnet uns das weibliche Wesen als in sich glücks- und lusterfülltes, sich selbstbejahendes Leben. Der in die Bilderscheinung entäußerte Eros menschlichen Lebens ist arm, krank, verletzt, behindert, verstockt und verstümmelt – es ist der Welt-Innenraum des modernen Menschen, der sein lebendiges Dasein nicht mehr in freier Selbstbejahung zu vollenden, gar zu feiern vermag. […]
Die Unheimlichkeit der Situationen bietet keine Heimwelt mehr, kein Zuhausesein – ortlos west das Weibliche als Symbol ewigen Lebens inmitten von Ungetümen einer toten Maschinenwelt. Und doch erweckt nur das Weibliche den Raum zum Tönen. In der Fabrikszenerie der Nachtbilder erhebt sich überall die Frage: Welche Wirklichkeit gibt sich der Eros menschlichen Lebens in der technologischen Welt? […]
Das Verlangen strandet in der Nichtigkeit belanglosen Tätigseins, das seine Leere in falsche Mystifikationen und Exotismen entlädt, mit denen es sein unglückliches Dasein besiegelt. Das Geschick des Eros der Moderne ist, dass er seine Lebenswirklichkeit aus der wissenschaftlich-technologischen Entzauberung der Welt erzeugt und mit der Vernichtung allen Weltgefühls das Geheimnis seiner selbst zerstört – das Geheimnis, das er selbst inmitten allen phönomenalen Weltgeschehens ist. […]
Was zuerst stellvertretend am Weiblichen al s die aporetische Verfassung des menschlichen Eros bezeugt wurde, verdichtet sich zum Bewusstsein, das es der Eros der geschichtlichen Moderne selbst ist, der mit der Negation allen Geheimnisses seine eigene Selbstzerstörung betreibt und wesenlos im Schwund allen Weltgefühls, aller religiösen Weltachtung, aller höheren geistigen Selbstbildung in Kunst und Philosophie dahinwest, sich mit Surrogaten füllend, die nicht füllen können.«



112 Seiten, broschiert

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ISBN: 978-3-946730-163
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Beschreibung

Details

INHALT

Frank Böckelmann
Die Begriffsknechtschaft abschütteln.
Warum die AfD eigene Worte braucht

DAS DOKUMENT

Baal Müller - „Verdachtssplitter“ Das Gutachten des Verfassungsschutzes zur AfD, näher betrachtet

SCHNEISEN


Michael Esders - Virale Wirklichkeit
Über Schein und Sein der Pandemie Arne Kolb - Die Welt als Wahn und Vorstellung
Zeitsymptom Verschwörungstheorien
Peter J. Brenner - Wie Dummheit funktioniert
Über Sprache, Politik und Wirklichkeit
Michael Beleites - Wir sind ein Volk!
Möglichkeiten einer sozialen Heilung nach dem Ende der Ära Merkel
Sven K. Knebel - Black lives matter!
Johannes Eisleben - Rassenunterschiede
Zur biologischen und gesellschaftlichen Bedeutung des Rassebegriffs

BELICHTUNGEN

Harald Seubert - Digitale Seinsverlassenheit
Eine Perspektive mit Heidegger
Matthias Gronemeyer- Mordsache Mensch
Ein Indizienprozess
Bernd Schick - CORPUS CHRISTI
Zur Geburt des Abendlandes aus dem Geiste des Zölibats
Hans-Georg Deggau - Das kalte Herz
Philosophischer Zwischenruf oder: Hegel und die Grünen

LANDSCHAFTEN

Jonathan Meynrath - Offenbare Tiefen
Anmerkungen zu Karl Wolfskehl
Karl Wolfskehl - Ausgewählte Gedichte
Till Röcke- Vier Gedichte

DAS GESPENST SEXUALITÄT

Rudolf Brandner - Der Baum der Erkenntnis

DIE BEWIRTSCHAFTUNG DER ZUKUNFT

Albrecht Goeschel - Raumordnung (V): Demokratischer Kolonialismus
Nachwirkungen des Deutschland-Zusammenschlusses auf Kosten der Sozialversicherten

ISLAMISIERUNG

Konrad Adam - Robespierre baut eine Kirche

RÄUME DES POLITISCHEN

Jörg Schnatz - Wald und Schiff
Vor 70 Jahren erschien Ernst Jüngers Essay Der Waldgang

RÜCK-BILDUNG

Josef Kraus - Vergeigte Bildung: Eindrücke – Erkenntnisse – Einwände
Teil 10: Von Bildungsspießern, Bildungsphilistern, Bildungsdilettanten und Bildungshochstaplern

Autor

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