Reinhard Liess

Streifzüge durch die klassische Kunstgeschichte

Mit einer Kritik an Picasso

Das 20. Jahrhundert hat mit dem Schönheitsideal und dem Naturvorbild der gesamten vorherigen Kunstgeschichte gebrochen. Mit unerbittlicher Konsequenz wurde das Menschenbild denaturiert. Die Parallelen zu den gleichzeitigen Ausprägungen totalitärer Politik sind nicht zu übersehen. Was hat es mit dieser unheimlichen Korrelation auf sich? Ausgehend von einer Madonnenzeichnung in einem Skizzenbuch von Picasso, das in seiner „klassischen“ Phase 1922 entstanden ist, sucht der Kunsthistoriker Reinhard Liess die von Picasso benutzten Vorbilder in Werken der Antike und der Renaissance aufzuweisen. Dabei entstehen in 131 Kapiteln tiefgründige Analysen. Das Brisante an diesem dreibändigen Werk: Der Autor geht mit Picassos Neigung zur Zerstörung künstlerischer Vorbilder hart ins Gericht. Er diskutiert den Begriff der Schönheit anhand von Texten der älteren Kunstliteratur sowie in der Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen Kunstgeschichtswissenschaft, außerdem an Werken der Antike, Renaissance und neueren Kunst. Durch mustergültige Werkanalysen zeigt Liess in seinen Streifzügen auf auf, was eine Kunstgeschichte leisten kann, welche die Werke selber als Quelle zur Beantwortung wissenschaftlicher Fragen heranzieht. Bis zum Holocaustdenkmal erstrecken sich seine Überlegungen in die Gegenwartskunst.

Einen leicht gekürzten Text von Reinhard Liess aus dieser Aufsatzsammlung finden Sie hier.

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ISBN: 978-3-7954-3639-1
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Beschreibung

Details

O-Ton Reinhard Liess:
„Im großen und ganzen gesehen, hat die bildende Kunst des 20. Jahrhunderts ihren Feldzug gegen das urbildliche Einssein von Natur und Schönheit siegreich mit weitreichenden Folgen bis in die Kunst der Gegenwart geführt und den Abglanz dieses Einsseins, den die ältere, zumal die klassische Kunst in ihren Werken hat aufleuchten lassen, in ihren eigenen Werken ausgelöscht. Der Zerfall und die Negierung des Naturschönen im Bilde der Kunst erfolgten also nicht beiläufig, sondern wurden zum Gegenstand, ja zum erklärten Ziel künstlerischen Tuns gemacht und ins Werk gesetzt – in einem systematisch gegen Natur und Schönheit gerichteten Akt der Zerstörung. Pablo Picasso (1881–1973) betrieb ihn mit Methode – als Voraussetzung zur Bildung seiner kubistischen Gemäldestrukturen. Die Krisenerscheinungen der Jetztzeitkunst zu Beginn des 21. Jahrhunderts geben zu erkennen, daß die Kunst mit diesem gegen die Natur und Schönheit gerichteten Zerstörungsakt letztlich sich selber traf. Die Kunstproduktionen der Gegenwart zeigen: Der im vorigen Jahrhundert initiierte Emanzipationsakt der Kunst lief auf einen bewußt und mit Genuß geführten Akt der Selbstzerstörung hinaus. Zerstörung blieb kein nur auf das Kunstschaffen spezialisiertes Phänomen. Auch in politischen, moralischen und sozialen, in allen humanen und zivilisatorischen Hinsichten ist das vergangene Jahrhundert ein Jahrhundert der Zerstörung gewesen. Man mag davor zurückschrecken, die bildenden Künste dieser Zeit generell in den Kontext dieser desaströsen Erfahrungen zu ziehen. Und doch bilden sie mit ihnen eine zeitgenössische Gemeinschaft – wohl in anderer Weise, als man auf den ersten Blick erwarten und einräumen würde.“