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Goldstücke auf unser Haupt

Goldstücke auf unser Haupt
Stefan Flach 24. Juni 2019

Von Stefan Flach


An dem Tag, als wir für Michael Klonovskys neuesten Acta diurna-Band den Klappentext schrieben, hätten wir mal Lotto spielen sollen. Eine stolze Voraussage für die Zukunft, die wir dort trafen, scheint sich am Tag der Buchauslieferung bereits ansatzweise zu bewahrheiten. Folgendes legten wir einem nationenlosen Globalbürger des Jahres 2049 hinsichtlich des Acta-Bandes in den Mund:

„Bei Allah!, diese Chronik eines angekündigten Volkstodes hätte, wäre sie damals nicht öffentlich verbrannt worden, die kollektive Soumission unter die Scharia-Regeln fast noch zu verhindern gewußt!“

Gut, das mit der öffentlichen Verbrennung müssen wir erst noch sehen, aber ein mögliches Verbot des Buchs irrlichtert bereits am Horizont. Und zwar wegen des goldigen Titels. Vor drei Tagen nämlich wies das Landgericht Bremen die Klage eines Facebook-Nutzers ab, der wegen der Verwendung des Begriffs „Goldstücke“ für Asylanten gesperrt worden war. Die schäbigen Details hier.

Nein, über die Tragweite des Vorgangs wollen wir uns jetzt nicht auslassen. Auch nicht über die damit einhergehende Ächtung einer wahrhaft abendländischen Tugend, ja eines Lebenswertes, nämlich des punktgenauen Gebrauchs von Sarkasmus, Spott und Ironie. Vielmehr möchten wir, angetrieben von unserer präkognitiven Fähigkeit, eine weitere Voraussage treffen, nämlich daß ein nächster Teil des Klappentextes wahr werden wird. Steht doch dort, daß in dreißig Jahren

„… das Buch, wie alle Acta-Bände Michael Klonovskys, an deutschen (oder jedenfalls sächsischen) Gymnasien als Widerstands-Lektüre erster Wahl, als kanonische Erbauungsliteratur, die die Kids immer noch mitreißt, einen Standard-Abiturstoff abgibt.“

In unserer Glaskugel sehen wir, daß es genau so käme, wenn das Buch verboten würde. Der ersten Auflage, die sogleich Kultstatus erlangte, würden zahllose widerrechtliche Nachdrucke folgen, die für exorbitante Beträge über unsichtbare Ladentische gingen. Oder um die legendären Worte Martin Schulzens zu paraphrasieren: „Was ein Verbot uns brächte, wäre wertvoller als Gold.“

Ganz genau. Und jetzt wird Lotto gespielt.