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Mahnwache für Manuscriptum

Mahnwache für Manuscriptum
Manu Scriptum 10. September 2018

von Thomas Hoof


Am 31. August sowie am 1. September (Weltfriedenstag) war das Verwaltungsgebäude der Firmengruppe des Manuscriptum-Verlegers Thomas Hoof im münsterländischen Lüdinghausen Ort einer DGB-“Mahnwache gegen rechts“. Sie galt der Tatsache, daß Manuscriptum auch „Bücher neurechter und rechtspopulistischer Autoren verlege“. Damit gemeint sind offenbar jene Verlagsautoren, die – wie zum Beispiel Alexander Gauland – der AfD angehören oder ihr nahestehen.

Die lokalen SPD- und DGB-Funktionäre warnten „vor den steigenden Gefahren des Rechtspopulismus in Deutschland“ und warfen Manuscriptum vor, „die Grenzen der öffentlichen Debatte immer weiter nach rechts zu verschieben“. Das taten sie im pflichtgemäßen Beisein von 10 bis 30 Lehrern, Gewerkschaftssekretären, Grün-roten Fraktionsmitgliedern und Gastgesandten aus den örtlichen Filialen des sozialindustriellen Komplexes. Alle zusammen warfen schwer besorgte Blicke auf unsere in einem großen, bachdurchflossenen Garten gelegene Gründerzeitvilla, in der aber niemand bei der Verschiebung von Debattengrenzen zu erspähen war, erstens wegen des längst eingetretenen Wochenendes (Freitag, 18:30 Uhr) und zweitens, weil die Grenzverschieberei ohnehin in Berlin stattfindet, wo der Verlag Manuscriptum nämlich seinen Sitz hat.

Zoomt man aus dieser Lokalpetitesse ein wenig heraus, dann ergibt sich freilich eine slapstickreife Szene: Die DGB-Gewerkschaften verloren in den letzten zwei Jahrzehnten – während derer sie von Interessenvertretern der hiesigen Arbeitnehmer zu Anwälten aller nach deutschen Sozialleistungen lechzenden Erdbewohner wurden – ein Viertel ihrer Mitglieder. Die ruhmreiche deutsche Sozialdemokratie hat im gleichen Zeitraum den Anteil ihrer Zweitstimmen an den Wahlberechtigten von 33% (1998 Schröder) auf 15% (2017 Schulz) halbiert und dürfte mit der nicht gar so großen Vorsitzenden Nahles aufs Einstellige zustreben. Beide dieser ehrwürdigen Arbeiterbewegungsinstitutionen haben sich in den letzten 20 Jahren – durch welchen Anstoß auch immer – einen Drehimplus zugezogen, der als Linksdrall eigentlich falsch bezeichnet ist: Es ist ein Schräg- oder Verquerdrall, der schon beim Zuschauen erstens Schwindel und zweitens die Gewißheit weckte: Das wird im Graben enden!

Dort sind beide Linksabflieger nun ausweislich der genannten Zahlen tatsächlich gelandet: in einem links der Fahrtrichtung verlaufenden Straßengraben, aus dem sie sich – „Aufstehen und Gesicht zeigen“ – mühsam aufrappeln, um, schlammgebadet und hektisch mit den Armen fuchtelnd, die spurtreue Mehrheit vor den immensen Gefahren des „rechtsabweichenden“ Geradeausfahrens und Geradeausdenkens zu warnen…: Dem Verrückten ist eben alles verrückt.

Daß der Staat zur Beute der Parteien wurde, ist bekannt und meinetwegen „geschenkt“… Wann aber wurden die Parteien zur Beute jener intellektuell und charakterlich schwerst herausgeforderten, gedankenfaulen und arbeitsscheuen Hohlbirnen und -birninnen, die sie jetzt allein bevölkern?