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Frankfurter Buchmesse. Eine Nachbetrachtung.

Frankfurter Buchmesse. Eine Nachbetrachtung.
H.Hoof 15. Oktober 2017

Der Stand der Manuscriptum-Verlage auf der Frankfurter Buchmesse wurde in der Nacht zum 13. Oktober von unbekannten Anhängern der Meinungsfreiheit ausgeräumt und demoliert. Schon einen Tag zuvor war der Stand des Verlags Antaios Ziel eines Angriffs gewesen.

Zum Messebeginn hatte sich der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels Alexander Skipis in einer öffentlichen Erklärung unter exzessivem Gebrauch der Vokabeln „Meinungsfreiheit“, „Vielfalt“, „Toleranz“ als Fremdenführer zu den vorgeblich rechten Sehenswürdigkeiten unter den Ausstellern der Messe betätigt und dazu aufgerufen, diesen Verlagen gegenüber „Haltung zu zeigen“.

Manuscriptum wurde dabei als eine von drei besonderen Attraktionen mit Halle und Standnummer benannt. Alexander Skipis war, bevor er beim Börsenverein unterschlüpfte, in Diensten der Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth und des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch. Schon seine Berufung im Jahre 2005 weckte den Verdacht, sie sei ein weiterer Schritt bei der Verschränkung der kulturellen mit der politischen Sphäre, die mittlerweile in der Vergemeinschaftung von Politik, öffentlich-rechtlichen und Mainstream-Medien als eine Art von „Bandenbildung“ erscheint.

Hochgerühmt wird Herr Skipis von seinem Börsenvereins-Vorstand vor allem wegen seiner stets spiegelblank polierten Schuhe. Auf solchen schritt er bei Messebeginn „spontan“ an der Spitze einer Handvoll zweckentfremdeter Mitarbeiter durch die Gänge der Messe und ließ dabei Schilder mit der Aufschrift „Freiheit und Vielfalt“ und „Gegen Rassismus“ tragen. Eine schöne Inszenierung. Nur wann genau endete sie?

Die Messe Frankfurt unterhält ein Operation and Security Center (OSC), das bei laufenden Veranstaltungen rund um die Uhr mit bis zu 150 Sicherheits-Mitarbeitern besetzt ist. Hallen und Gelände sind mit modernster Gebäudeleit- und Sicherheitstechnik ausgestattet und selbstverständlich videoüberwacht. Ist es da tatsächlich denkbar, daß in der Nacht Toleranzbeflissene zentnerweise Bücher aus einer der vier Hallen wegschleppen können, ohne daß ein menschlicher oder technischer Detektor Alarm schlägt – zumal das nächtliche Wegschleppen von Büchern und die Deponierung eines Sprengkörpers sich in den logistischen Abläufen nicht sonderlich unterscheiden. Konnten also der Dieb in der Nacht und die Beraubung zweier seiner Standmieter und Geschäftspartner vom Veranstalter der Messe wirklich völlig unbemerkt bleiben?

Oder müssen wir, lieber Herr Skipis, von einer Bandenbildung auch im ursprünglichsten Sinne der Räuberbande ausgehen? Befreien Sie uns bitte bald von diesem drückenden Verdacht.