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Addio Roger Scruton

Addio Roger Scruton
Von Stefan Flach vom 14. Januar 2020 ...

Zum Tod des meistgehassten Philosophen der Progressiven

von Valerio Benedetti


Während uns gestern mit Giampaolo Pansa [1] einer der letzten ketzerischen Journalisten der Linken verließ, verstarb am gleichen Tag Roger Scruton. Der britische Philosoph, eine weltweite Speerspitze des Konservatismus, war schon seit einigen Monaten an Krebs erkrankt. Gestern musste er sich im Alter von 75 Jahren dem Unabwendbaren ergeben. Sein intellektuelles Erbe aber bleibt gewaltig. Autor von etwa fünfzig Büchern, von denen viele in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden, befasste sich Roger Scruton mit den verschiedensten Themen, von der Ästhetik (über die er über Jahre an der Universität London lehrte) bis zur politischen Theorie, von der Musik bis zur Jagd, von der Ökologie bis zum Tierschutz, ja bis hin zur Weinbaukunde.

Doch der alles zusammenhaltende Leitgedanke seiner Werke war stets dieser: der Kampf gegen die Mythologie des Fortschrittes und die Verteidigung der europäischen Zivilisation. Deshalb wurde Roger Scruton stets als schwer verdaulich von einer intellektuellen Elite betrachtet, die ihn als „den gefährlichsten Philosophen des Westens“ bezeichnete, ähnlich einem Slavoj Žižek, wobei dieser nichts wirklich Gefährliches an sich hat und nicht umsonst in den Salons der guten Gesellschaft immer wieder Gehör findet. Scruton, der sich durch die Lektüren der Riesen des konservativen und reaktionären Denkens, vor allem Edmund Burke, bildete, hat sich nicht gescheut, auch Hegel zu lesen und zu verteidigen, eben jenen Philosophen, der tatsächlich gefährlich ist für die Dogmen des liberalen Globalismus und nicht zufällig von den Tempelwächtern der Postmoderne abgewiesen wird.

Der Selbstmord des Westens

Es ist überdies schwierig, die Diagnosen, die Roger Scruton der heutigen Gesellschaft gestellt hat, erfolgreich anzufechten: Der „Selbstmord des Westens“ – so lautet der Titel eines Interview-Bandes mit ihm [2] – ergibt sich aus jenem Selbsthass, den die globalistischen Eliten dem historisch-politischen Bewusstsein der Europäer eingeimpft haben. Das hat der britische Philosoph mit dem Begriff „Oikophobie“ umrissen, was wörtlich Hass auf das eigene Haus bedeutet, also auf die hergebrachten Traditionen, auf die kulturelle Bindung zwischen den vergangenen Generationen mit den kommenden.

War Roger Scruton ein „Souveränist? [3]

Aus dieser Diagnose leitet sich auch seine Verteidigung des Nationalstaates gegen die EU und ähnliche übernationale Strukturen ab: „Ich glaube, dass wir am Abgrund einiger Entscheidungen stehen, die sich für Europa und die Welt als verheerend erweisen könnten“, schrieb Scruton. „Es bleiben uns nur wenige Jahre, um unser Erbe zu erhalten. Heute hallen die Wahrheit der zwei Verse aus Goethes Faust mehr als je zuvor wider: ‚Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.‘ Auch in den europäischen Nationalstaaten ist es notwendig, dass wir jene Souveränität zurückgewinnen, die Generationen vor uns so umsichtig geformt haben, geprägt vom Christentum, den Imperien und dem Römischen Recht. Haben wir dieses Erbe erst einmal wieder erworben, werden wir es zurückerobert haben, um dann in Frieden innerhalb unserer Grenzen zu leben.“

Tradition, Souveränität, Grenzen. Roger Scruton wird uns fehlen.


Zuerst erschienen am 13.1.2020 auf https://www.ilprimatonazionale.it/cultura/addio-roger-scruton-filosofo-piu-odiato-dai-progressisti-142360, aus dem Italienischen von Wulf D. Wagner.

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[1] Giampaolo Pansa war ein bekannter italienischer Journalist, der in Tageszeitungen aller politischen Richtungen schrieb.

[2] Roger Scruton: Il suicidio dell' Occidente. Intervista a cura di Luigi Iannone. 2010. Der Band ist wie die meisten anderen Bücher Scrutons nicht in Deutschland erschienen.

[3] Für den Begriff sovranista oder sovranismo, der aus dem Französischen kommend in Italien dem Begriff des EU-Globalismus entgegengestellt wird, um die veralteten Begriffe rechts und links zu vermeiden, gibt es im Deutschen noch keinen prägnanten Begriff, weshalb bis dahin bei Souveränität und Souveränismus geblieben wird.