Die Gespenster-Epidemie.

Die Gespenster-Epidemie.

Dies sind die vom Statistischen Bundesamt vierzehntägig fortgeschriebenen Zahlen der Sterbefälle in Deutschland,(per 26.4.2020) aus denen man mit mehr Mühe als eigentlich notwendig wäre, folgende Vorjahresvergleiche ziehen kann:

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Oder grafisch:

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Die Sterbefälle des Jahres 2020 lagen per 26. April auf der Höhe des epidemologisch unauffälligen Vorjahres, aber um 15.000 unter denen des Jahres 2018 und um 10.000 unter denen des Jahres 2017, beides Jahre, deren erste Quartale von einer stärkeren Grippewelle geprägt waren.
Fazit: Jedenfalls in Deutschland gab es keine Epidemie, die sich in den Sterbetafeln der Bevölkerung ausgedrückt hätte. Die hier verwendeten amtlichen Sterblichkeitsdaten sind der einzige zuverlässige Indikator dafür.

Zum Stichtag der Tabellendaten vom 26. April 2020 (in Klammern die Daten des 24. Mai) zählte das Robert-Koch-Institut (RKI) 154.175 (178.281) „Bestätigte Infektionen“, 112.000 (160.300) „Genesene“ und 5.640 (8.247) „im Zusammenhang mit Covid-19 Verstorbene“. Daraus läßt sich die Zahl der jeweils aktuell Infizierten berechnen: Am 26. April waren 36.535, am 24. Mai sind es 9.734. Die Zahl der „aktuell Infizierten“ (= Bestätigte Fälle minus „Verstorbene“ minus „Genesene“ wurde vom RKI nie mitgeteilt (und in der Folge von der Presse ebensowenig); vermeldet wurde nur die Zahl der kumulativ sich auftürmenden „Bestätigten Fälle“, die eine Resultante der stark ausgeweiteten Tests war. Der Kurvenverlauf der zum jeweiligen Stichtag aktuell Infizierten wurde schon in der ersten Aprilhälfte – also vor 6 Wochen – gebrochen; er drehte ins Negative. Die Maskenpflicht wurde in der zweiten Aprilhälfte ausgerufen. Die folgende Grafik zeigt die Kurven nach den Situationsberichten des RKI.

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Zu den bestätigten Fällen: Die in Schnelltests gefundenen Antikörper sagen nicht einmal etwas über eine Erkrankung, noch viel weniger über die Todesursache aus; sie zeigen lediglich, daß der Organismus sich immunreaktiv mit dem Erreger auseinandergesetzt hat, möglicherweise erfolgreich. Die aufwendigeren PCR-Tests sind bekannt dafür, heute „positiv“, morgen „negativ“ zu melden und die im Körper kursierenden Nukleinsäuretrümmer regelmäßig fehlzudeuten. In Deutschland sterben täglich durchschnittlich 2.800 Menschen, davon 80%, also etwa 2.200 bis 2.300 in einem Alter von über 70 Jahren. Von den „im Zusammenhang mit einer Coronainfektion Verstorbenen“ gehörten 72% der Altersgruppe 80+, 87% der Altersgruppe 70+ und 96% der Altersgruppe 60+ an. Das durchschnittliche Sterbealter lag bei 82 Jahren und hatte damit die durchschnittliche Lebenserwartung (bei Männern 78,5 Jahren) bereits um 3,5 Jahre überstiegen. Das RKI hatte davon abgeraten, die tatsächlichen Todesursachen durch Obduktionen festzustellen. Dort, wo dies dennoch geschah, wie durch den Rechtsmediziner Klaus Püschel vom Universitätsklinikum Hamburg oder am Universitätsspital Basel lag die maßgebliche Todesursache immer in den Vorerkrankungen (oder eben der Altersschwäche) der hochbetagten und multimorbiden „Corona-Opfer“.

„Ältere Menschen müssen körperlich aktiv bleiben, sonst steigt die Gefahr von Thrombosen und Embolien signifikant.“ Der Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel am 2.4.20 im Hamburger Abendblatt kritisch zu Ausgangssperren, Immobilisierung und Isolation alter Menschen.

6 Wochen später: „Neue Erkenntnisse: Infektion mit Coronavirus kann zu Thrombose führen“ Frankfurter Rundschau am 12.5.2020 „Coronavirus: Lungenembolie und Thrombosen häufigste Todesursache.“ Merkur.de am 13.5.20

Wessen Opfer also?

Es ist ein Gespensterzug von 8.000 alten Menschen, die sämtlich an der Schwelle ihres Todes standen, aber zur Proklamation einer Pandemie noch benötigt wurden. Geschuldet waren ihnen Ruhe, Begleitung durch Angehörige und palliativmedizinischer Beistand. Stattdessen wurde der Kontakt zu Kindern und Enkeln unterbunden, und ihre Wohnstätte oder ihr Pflegeheim verwandelte sich in eine von Maskierten heimgesuchte Schreckenskammer. Wo sie das Unglück hatten, hospitalisiert zu werden, haben die fühllosen Anästhesisten auf den Intensivstationen sie häufig den Qualen einer invasiven Beatmung (Intubierung) ausgesetzt, die bei alten Menschen fast immer zum Tode führt. Wer die beiden Generationen vor ihm bereits in den Tod begleitet hat, weiß, daß innerhalb der letzten Phase der eigentliche Todeszeitpunkt fast wie gewählt oder als Ergebnis einer letzten Entscheidung erscheint: Ein Nichtmehr- oder Zum-Ende-Wollen. Die Corona- Bedrängungen waren ein mächtiges Motiv für diese Wahl.

24. April 2020

Nicht mit mir

Eben in einem münsterländischen Raiffeisenmarkt. Ein älterer Bauer in grünem Drillich zu einer Verkäuferin, die ihm unter Hinweis auf das kommende Tragegebot einen Mundschutz verkaufen will: „Bliww mi wech, Fastaomd, mökt sin.“ (Bleib‘ mir weg, zu Karneval vielleicht). Die Generationen Fahrradhelm und folgende werden sich hingegen auf obrigkeitliche Weisung hin auch eine Pappnase aufsetzen, um damit eine Gefährdung ihres höchsteigenen Selbst zu mindern und ihre tugendhafte Folgsamkeit nach allen Seiten kundzutun. Und sie würden gleichzeitig jeden Pappnasenverweigerer als „Men!-schen!-feind!“ anklagen, was aber aufhört, sobald diese gröber gewirkten Naturen ihnen für ihre Schelte Backpfeifen zum Tausch anbieten.

Das Ende vom Lied: Das Paradox der Prophylaxe

Wenn in einigen Monaten klar ist, daß es 2020 in Deutschland keinerlei pandemiebedingte Übersterblichkeit gab, wird die Politik sich hinsichtlich ihres zunächst kopflosen und dann geradezu bösartigen Umgangs mit einer Gespensterpandemie des Watzlawickschen „Patentrezepts“ erinnern: Ein Mann bemüht sich in Wien, Elefanten durch lautes Händeklatschen zu verscheuchen; dem Einwand, daß es diese Tiere hier doch gar nicht gäbe, begegnet er mit triumphaler Mine à la „Eben! Sehen Sie!“ und klatscht selbstzufrieden weiter.

3. Mai 2020

Corona-Kollaterale:

• Eine wohltätige Ruhe am Himmel und auf der Erde: Oben erstirbt das Donnergrollen der Urlaubsflieger, und unten läuft das (zwar von außen angetriebene, aber den ziellosen Mitlauf erzwingende) Hamsterrad aus Kinderwegschaffen, Job, Meeting, Kinderwiederherschaffen, Einkaufen, Fitness, Seriengucken mit deutlich geringeren Drehzahlen.

• In den völlig überbesetzten Verwaltungen der Großunternehmen macht sich die Erkenntnis breit, daß es für die Prozesse völlig belanglos ist, ob da Dutzendschaften „Hochqualifizierter“ am Büroschreibtisch, im Heimbüro oder überhaupt nicht mehr auf ihre Bildschirme gucken. Schlechte Aussichten für die Myriaden von „Bullshitjobs“ (David Graeber) in den Verwaltungen.

• Bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts war Deutschland die Apotheke der Welt. Jetzt sind selbst für Masken und Ascorbinsäure Importe nötig. Und die Fließbänder stehen, wenn ein Kleinteil aus China nicht just-in-time zur Stelle ist. Die Weltmarktabhängigkeit selbst bei lebenswichtigen Alltagsgütern ist dem Publikum während der Corona-Krise erstmals zu vollem Bewußtsein gekommen. Wo war die Opposition, um daraus ein strukturpolitisches Thema zu machen?

• Der Handel stockt: Nach der Wiedereröffnung der Läden betrugen die Wochenumsätze 30 bis 50% der Vorcorona-Werte. Zu wenig für die Mieten. Die Leerstände kommen im Herbst.

• Andererseits: 10 Millionen Kleidungstücke für 100 Millionen Euro wurden in Vorcoronazeiten an jedem Wochentag in Deutschland verkauft. Zu 10 € je Stück: Baumwollpflanzen gesät, gewässert, geerntet, gesponnen, gewebt, ausgerüstet, geschneidert verschifft, handelskalkuliert (mal 3), versandt, zugestellt, anprobiert, retourniert, entsorgt.

• Ein Drittel seines diesjährigen Bruttoinlandprodukts steckt allein Deutschland in „Coronahilfen“. Dazu kommt ein Billionenprogramm der EU und ein weiteres als PEPP (“Pandemic Emergency Purchase Program”) der EZB. Wo landen diese Geldmassen und was bewirken sie? Wenn die Leistungsfähigkeit der Produzenten beeinträchtigt bleibt, aber die erstmals direkt bedachten Konsumenten einen Nachholbedarf befriedigen, kommt die von den Regierungen lang herbeigesehnte Inflation. Wenn die Produzenten volle Kapazitäten fahren können, aber die Konsumenten pessimistisch oder verunsichert bleiben, kommt die lang befürchtete Deflation.

• Grenzen kann man schließen, sogar die zwischen den alten Duodezfürstentümern. Und so begab es sich, daß die Insassen von Autos mit Hamburger Kennzeichen zu ihrer äußersten Bestürzung schon im Kreis Storman als „fahrendes Volk“ verabscheut und des Landes verwiesen wurden.

18. Mai 2020

Corona-Konspiration?

Zu Beginn wohl eher nicht, wie man an den kopflosen und unabgestimmten Reaktionen der Regierungen ablesen kann. Ab Mitte März scheint dann jemand daran erinnert zu haben, daß doch genaue Fahrpläne für diese Situation vorliegen, einerseits in den „Scenarios ort he future …“, die die Rockefeller-Stiftung und das Global-Business-Network des Peter Schwartz schon 2010 vorgelegt hatten, andererseits in einem Planspiel, das die in Corona-Angelegenheiten allgegenwärtige John-Hopkins-Universität, die Bill-Gates-Foundation und das Weltwirtschaftsforum im Oktober 2019 unter dem Titel Event201 durchgeführt hatten. Norbert Häring hat die Zusammenhänge hier und hier genauer betrachtet.

20. Mai 2020

Verschwörungstheoretiker…

Politik und Medien sind in großer Sorge, weil Verschwörungstheoretiker aus dem Internet ausgebrochen sind und – Gott sei bei uns! – im Mai 2020 jeden Samstag leiblich auf Marktplätzen erscheinen, um sich dort mit maskierungsmüden Staatsbürgern gegen die Weltdemokratie, die Weltgesundheit und das Menschenrecht auf Impfzwang zu verschwören.

… und Verschwörungspraktiker (fraktioniert)

Es gibt eine merkwürdig ungreifbare Formation, die innerhalb und außerhalb der nationalen und übernationalen Institutionen wirkt und als Organisator der Staatsfinanzierung mit sehr viel Erfolg Politikgestaltung aus dem Hinter- und Untergrund treibt und zwar mit den Mitteln medialer Propaganda, banalen Lobbyismus‘, der Intrige, der Bestechung, der Erpressung und eines globalen Klientelismus, der Gefolgsleute gerne auch mit Staatsämtern gratifiziert. Nennen wir diese Formation die „Verschwörungspraktiker“ oder die „Ehrenwerte Weltgesellschaft“. Ihre Existenz wird unter Informierten nur selten bestritten, aber immer beschwiegen. Da herrscht Omertà. Was aber kaum ein „V-Theoretiker“ in Rechnung stellt, ist die Tatsache, daß diese „V-Praktiker“ keinen monolithischen Block bilden. Auch hier gibt es zwei antagonistische, teil- und zeitweise gegeneinander arbeitende Fraktionen. Immanuel Wallerstein, der im vergangenen Jahr verstorbene, zu Lebzeiten aber gut vernetzte Doyen der „Weltsystemforschung“ hat dies in einer seiner letzten Veröffentlichungen* erstaunlich offen mitgeteilt. Der „Geist von Davos“ ist dabei, wie er selbst sagt, nur ein beliebiges Etikett, mit dem er die Gruppe auszeichnet, die ich oben die „Ehrenwerte Weltgesellschaft“ genannt habe. „Das Lager des »Geistes von Davos« ist tief gespalten. Eine Gruppe befürwortet unmittelbare und langfristige Repression und hat ihre Mittel in den Aufbau einer bewaffneten Organisation gesteckt, um die Opposition zu zerschlagen. Es gibt aber auch eine andere Gruppe, die Repression auf lange Sicht für unwirksam hält. Sie befürwortet die Lampedusa-Strategie, alles zu verändern, damit alles beim Alten bleibt. Man spricht von Meritokratie, grünem Kapitalismus, mehr Gerechtigkeit, mehr Vielfalt und einem offenen Ohr für die Rebellischen – alles aber im Geiste der Abwendung eines Systems, das auf mehr Demokratie und Gleichheit beruht.“ *Immanuel Wallerstein u.a.: Stirbt der Kapitalismus? Fünf Szenarien für das 21. Jahrhundert. Frankfurt a. Main 2014, Seite 45. 15. April 2020

Corona macht die Grünen bleich: Vom fliegenden Robert und seiner Gefährtin

Die beiden Knuffelduffel-Kuschelwuschel an der Parteispitze der Grünen kranken derzeit an einem Aufmerksamkeitsdefizit. Nachdem sie 2018 erfolgreich Renate „Kratzbürste“ Künast und Simone „Zankteufel“ Peters (bei denen jeglichem schwante, sie ließen sich allnächtlich in der Kunst des Giftmischen unterweisen) aus den Talkshows gedrängt hatten, gewannen Robert und Annalena, huhu, die Herzen der zagenden Wähler im Sturm: Der Robert als ein Mann, der es in der Disziplin des Nachdenklich-Guckens zu großer Meisterschaft gebracht hatte, und seine Gefährtin, die Annalena-Pauline, mit bezaubernder Vorwitzigkeit, wenn sie etwa‚ „mit leichtem Mut und Sing und Sang“, den Strom aus ihren Windkraftwerken im Netz abspeichern will, wie sie’s mit ihren Urlaubsbildern ja auch tut. Doch in der Unterhaltungsbranche folgt schnellem Aufstieg oft ein jäher Absturz. Und so könnte es sein, daß in der grünen Bundesgeschäftsstelle bald dieses Bild an den Höhenflug des Robert Habeck, Ex-Bundeskanzler-in-spe, erinnert, mit einer Plakette, auf der geschrieben steht: „Und sein Hut flog weit voran/Stieß zuletzt am Himmel an/Wo der Wind sie hingetragen/Ja! das weiß kein Mensch zu sagen.“ BILDER KLEIN

Wenn Sie die Grünen beim Teufel, alternativ auf dem Blocksberg …

… aber keinesfalls in Staatsämtern sehen wollen, sollten Sie sich mit mir für diese klitzekleinen Wahlrechtsänderungen einsetzen: 1. Abschaffung des Frauenwahlrechts. Folge: ein Minus von 30% der grünen Wahlergebnisse, 2. Abschaffung des Wahlrechts aller Staatsbediensteten und aller anderen, aus Steuermittel alimentierten Erwerbstätigen (insgesamt etwa 12 Millionen). Folge: ein Minus von 85% der nach 1 verbliebenen Wählerstimmen.

Schon wieder: Fassungslosigkeit bei SPON:

„Student erhält für rassistische Abschlussarbeit ein ‘sehr gut‘. Ein österreichischer Student will mit seiner Bachelorarbeit den Einfluss der ‚Rasse‘ eines Menschen auf dessen Stimme belegen“. Die Hochschule weigert sich beharrlich, dem Autor – wie der Spiegel und andere Feingesinnte dringend fordern – den Titel abzuerkennen. Wo soll das hinführen? Der nächste rassistische Bakkalaureus wird künftig noch einen Einfluß der Rasse eines Menschen auf seine Hautfarbe behaupten. Schrei, Kreisch, Ohnmachtsdunkel! Spiegel-Autorin Lisa Duhm (Jahrgang 1991) kommt von Dein Spiegel, dem Hamburger Kinderspiegel mit „Kindernachrichten aus aller Welt“, und ihr dortiges, vorschuljournalistisches Wirken hat ihr den „Medienpreis der deutschen Kindernothilfe“ eingetragen. Dein Spiegel und Der Spiegel sind infolge einer Verzwergung des letzteren mittlerweile auf Augenhöhe, so daß der Einsatz des Kinderpersonals auf dem dümpelnden Mutterschiffchen ganz folgerichtig ist.

Womit hab’ ich es nur verdient, mich auf meine alten Tage in einem Irrenhaus wiederzufinden, zudem in einem, für dessen Insassen die zukunftsverdüsternde Wahrheit gilt: Je jünger, desto gaga.

24. April 2020

Fässer ohne Böden oder: Nur noch negative Margen &sub2;

Notenbanken haben den Auftrag, den Geldkreislauf zu sichern, so wie es einem Hausmeister obliegt, den Kreislauf heißen Wassers in einer Heizung zu gewährleisten. Schwund in Kreislaufprozessen deutet auf ein Leck (oder einen Fremdzapfer) hin. Der Hausmeister wird dem Mißstand auf den Grund gehen, die Notenbanken speisen einfach nach –„whatever it takes“. Die Notenbanken sind die einzigen bilanzierenden Wirtschaftssubjekte im weiten Erdenrund, die ihr Eigenkapital per Knopfdruck erhöhen können, wenn sie die Kapitalzufuhr umgehend in die Welt verteilen und dabei allerlei „Wertschriften“ als Pfänder einsammeln. Von dieser Gunst machen sie exzessiven Gebrauch, so daß ihre seit 20 Jahren sich blähenden Bilanzen wirken, als seien sie von einer Hefegärung belebt. Um das Jahr 2000 hatten sie bei EZB und FED noch jeweils ein Volumen von 800 Milliarden Euro bzw. USD. In diesen Tagen des Jahres 2020 werden sie die Marken von 5 Billionen (EZB) oder 6 Billionen (FED) überschreiten. Einige weitere Kennzahlen, die den Geilwuchs des Finanzsektors illustrieren:

Kernkennzahlen Finanzen Euroraum 2000 bis 2020 in Billionen € TABELLE Durch einfache Division kann man feststellen, daß im Euroraum 1 € an Wachstum des Bruttoinlandsprodukts einen Einsatz von 2,11 € an Ausweitung der M3-Geldmenge und 1,26 € an Ausweitung der Staatsschulden erforderlich machte. Die Verhältnisse sind im wörtlichen und übertragenen Sinn völlig „verrückt“. Wir sind im Bereich strukturell negativer Margen: Alles, was getan wird, kostet mehr als es einträgt. Wo ist das Leck?

Öl unter Null

Am 20. April war es so weit: Rohöl, der Stoff, um den noch in jüngster Zeit allerlei Luftkrieg und Gemetzel stattfand, wurde in seiner amerikanischen Form (West Texas Intermediate =WTI) zu negativen Preisen gehandelt, also wie Abfall, dessen Entsorgung einen Preis hat. An diesem Handel waren allerdings weder Ölerzeuger noch Ölverbraucher beteiligt, sondern nur Spekulanten, die auf einen steigenden Ölpreis gesetzt hatten und nun zunächst von der russisch-saudi-arabischen Preiskabale zulasten der amerikanischen Fracking-Industrie und dann noch viel heftiger vom Einbruch des globalen Ölverbrauchs durch den Corona-Lockdown auf dem falschen Fuß erwischt wurden. Sie mußten ihre kreditgehebelten Optionen auf Öl loswerden – koste es, was es wolle –, denn die Broker verlangten Nachschuß. Wer mit dieser Warentermin-Marginalie seinen Optimismus hinsichtlich unserer Energieversorgung füttern will, begeht einen Kardinalfehler. Wie in allen Rohstoffmärkten ist auch beim Rohöl zunächst einmal der spekulative Handel mit Derivaten preisbildend. Er übersteigt die physischen Geschäfte um das Zwanzigfache. In einem Aufsatz in der 2018er Sommerausgabe der Tumult hatte ich vom bevorstehenden „Ende der Reichlichkeit“ gesprochen, weil sich in der Energiegewinnung mit atemberaubendem Tempo das Gesetz fallender Grenzerträge zur Geltung bringe. Hier nur in Kurzform und etwas salopp (auch was Periodisierung und Verhältniszahlen angeht):

In den vergangenen 70 Jahren gab es unter Energiegesichtspunkten drei einander schnell ablösende Zeitabschnitte: Die 1:50-Jahrzehnte (ca. 1950 bis 1970), in denen mit 1 Barrel Öl 50 neue Barrel Öl gefördert, aufbereitet und bereitgestellt werden konnten. Aus dem Verhältnis 1:50 entsprang der Massenwohlstand der Nachkriegszeit; Arbeit und Kapital teilten sich den springflutartigen Überschuß im Verhältnis 3:1. Die 1:18-Jahrzehnte (ca.1970 bis 1990), in denen mit einem Barrel Öl 18 neue Barrel Öl gefördert, aufbereitet und bereitgestellt werden konnten. Das verengte Verhältnis schmälerte die Verteilungsspielräume zulasten beider Seiten, Arbeit und Kapital. Die Staaten machten sich als Lückenbüßer bereit und sprangen mit steigenden Staatschulden in die Wohlstandsbresche; die Finanz- und die privaten Akteure folgten. Die nachfolgende Grafik zeigt die in den 80er Jahren abhebende Schuldenkurve am Beispiel der USA (Schulden der Körperschaften, Banken, Nichtbanken und Privaten). Die Verläufe in Europa waren ähnlich, wenn auch zunächst flacher.

BILD FRED

Die 1:10-Jahrzehnte (ca. 1990 bis 2010), in denen mit einem Barrel Öl nur noch 10 neue Barrel Öl gefördert, aufbereitet und bereitgestellt werden konnten. Der weiter geschrumpfte Überschuß wurde schmerzlich. Der Wohlstand schmolz tatsächlich. Die Schuldenmassen wuchsen kompensatorisch.

Das 1:5-Jahrzehnt (ca. 2010-2025/2030), in denen mit einem Barrel Öl nur noch 5 neue Barrel Öl gefördert, aufbereitet und bereitgestellt werden können. Die weiter gestiegenen Schuldenvolumina hatten einen Finanzsektor aufgeblasen, der die Realwirtschaft inzwischen um das Fünffache überwachsen hat. Die Finanzökonomie simulierte mathematisch, was in der physischen Wirtschaft mangels eines Energieüberschusses nicht mehr realisiert werden kann: Wertschöpfung.

Das 2:1-Jahr : (202x/203x), in dem 2 Barrel Öl nötig sind, um 1 Barrel Öl zu fördern, aufzubereiten und bereitzustellen. Die Periode ist logischerweise nur sehr kurz, wenn sie sich auch tatsächlich über etliche Jahre erstrecken wird, weil die hier skizzierten Wirkungen des Ertragsgesetzes je nach Energierohstoff und Fördergebiet unterschiedlich scharf einschlagen. Die Erdgasvorkommen werden nach Wegfall des Erdöls sehr schnell verbraucht. Die erneuerbaren Energien spielen keine Rolle oder nur eine lokale in verfallenden industriellen Großstrukturen. Für den Umstieg von einer thermoindustriellen auf eine elektroindustrielle Gesellschaft (mit Kernkraft als zentraler Quelle) fehlen sowohl die Zeit als auch die Energieüberschüsse. Der Preis der Barrels Öl wird schließlich gegen unendlich gehen, trotzdem wird niemand mehr fördern, womit dann auch erwiesen wäre, daß keineswegs alles eine „Frage des Preises“, sondern letztlich alles eine Frage der Energie ist.

Die kleine Skizze macht deutlich: Die Leckage-Verluste, von denen oben im Zusammenhang mit der „what-ever-it-takes“- Verzweiflung der Zentralbanken die Rede war, lassen sich auch mit weiteren Fantastilliarden nicht ausgleichen. Sie geschehen in der Welt der wirklichen Wirtschaft, wo alle finanzmathematischen Konstruktionen zuschanden werden. Geld läßt sich drucken oder noch unkörperlicher durch eine Buchung schaffen. Energie nicht, Energie im Überschuß noch viel weniger. Und „Wirtschaften“ ist niemals etwas anderes als Energiemanagement. Alles andere ist nur eine Simulation.

Europaskeptiker argumentieren, eine Demokratie benötige ein Volk, das sich in einer Sprache verständigen könne. Weil diese gemeinsame Öffentlichkeit in Europa jedoch unmöglich sei, so schlußfolgern sie, könne Europa niemals zu einer Einheit verschmelzen. Was sagen Sie zu diesem Einwand? Ist Europa nur als autoritäre Macht mit angehängter Demokratiesimulation denkbar?

Diese Sichtweise mochte noch für die 1980er gelten. Heute, 40 Jahre später, ist sie überholt: In Gestalt des Englischen verfügt Europa bereits über eine gemeinsame Sprache, die nicht nur von nahezu allen Menschen unter 40 ausgezeichnet gesprochen wird, sondern auch zur mittlerweile fast alleinigen Wissenschafts- und Populärkultursprache geworden ist und die Nationalsprachen auf Dauer ebenso an den Rand drücken wird, wie vor 2.000 Jahren das Lateinische dies mit den zahlreichen Sprachen des westlichen Mittelmeers getan hat.

Man mag dies bedauern, zu ändern ist es aber nicht. Und auch die europäische Öffentlichkeit besteht mittlerweile in erheblich stärkerem Maße als vor einer oder zwei Generationen. Denken Sie nur daran, daß fast alle großen Themen heutzutage europäische Themen sind, von der Schuldenkrise über die Migrationswelle und den Brexit bis hin zu den sogenannten „Populisten“, deren politische Zusammenarbeit übrigens in vielen Bereichen schon fast intensiver ist als die der anderen Parteienfamilien.

Dabei sehe ich die eigentliche Bedrohung für die Demokratie nicht in der europäischen Idee an sich, sondern viel eher im Verlust der europäischen Identität durch Multikulturalismus, politische Korrektheit, Hedonismus und flagrante Unbildung: Je mehr sich unsere Gesellschaft fragmentiert, desto schwieriger wird es, Solidarität zwischen den Bürgern herzustellen. Die somit entstehenden, unverbunden bzw. sogar feindlich nebeneinanderlebenden Gruppen können dann nur noch durch einen autoritären Staat vor dem gänzlichen Auseinanderfallen bewahrt werden – was mithin eben auch der Grund ist, wieso viele kulturell und religiös ähnlich zerrissene nahöstliche Staaten wie Syrien oder der Irak ebenfalls nie funktionierende Demokratien aufbauen konnten.

Auch unter diesem Gesichtspunkt kann nur eine „hesperialistische“ Kräftigung unserer historischen Leitkultur den Rahmen gewährleisten, daß unser Europa nicht in zahllose, sich bekriegende Parallelgesellschaften zerfällt, unter denen dann nur noch das Recht der jeweils rücksichtslosesten Gruppe zählt…


Herr Prof. Dr. Engels, vielen Dank für Ihre guten und ausführlichen Antworten!

David Engels hat neben Renovatio Europae auch an den Büchern Der lange Schatten Oswald Spenglers und Michel Houellebecq, Oswald Spengler und der„Untergang des Abendlandes“ mitgewirkt.



Buchvorstellung von "Renovatio Europae" am 13.5.2019 im Polnischen Institut Berlin:

&sub2; Geldmenge M3 = Banknoten/Münzen+ Bargeldumlauf Nichtbanken+Sichteinlagen+Geldmarktfonds, Repoverbindlichkeiten, Geldmarktpapiere und Bankschuldverschreibungen.