Konrad Löw

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    Hitler in uns?

    Nach einer neueren Studie der Bertelsmannstiftung „Zur Schuld der Deutschen gegenüber den Juden aufgrund der Judenverfolgung im Dritten Reich“ sind 52 Prozent der deutschen Bevölkerung der Ansicht, daß alle jene („arischen“ und jüdischen?) Deutschen mitschuldig sind, die über das wahrscheinliche Schicksal der deportierten Juden Bescheid wußten, die aber nicht mit Aussicht auf einen nennenswerten Erfolg eingreifen konnten. Weder die Zehn Gebote noch die abendländische Ethik noch das Grundgesetz mit seinen Grundrechten und Vorschriften für ein rechtsstaatliches Verfahren noch die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte noch irgendeine andere zivilisierte Rechtsordnung kennt einen solchen Schuldbegriff, wie er offenbar in den Köpfen der Mehrheit herumspukt. Auch die Katechismen der Kirchen leisten dieser Verblendung keinen Vorschub. Wie ist es zu dieser Verwirrung gekommen? Kann es sein, daß die amoralische Unvernunft angeboren ist? Viel wahrscheinlicher ist es, daß hier Kräfte am Werke sind, denen gegenüber der einzelne glaubt, er müsse kapitulieren. Da erscheint es geboten, im Bewußtsein der „Verantwortung vor Gott und den Menschen“ und dem zentralen Wert des Grundgesetzes, nämlich der Menschenwürde, nach jenen Normen zu fragen, die einen ethisch fundierten Umgang mit der Vergangenheit ermöglichen.

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