Werkreihe Tumult

Die Werkreihe von Tumult

In der Werkreihe TUMULT erscheinen bestechende, empirisch fundierte Lageanalysen aus dem Autoren- und Themenkreis der Vierteljahresschrift gleichen Namens. Mit der Gründung der Werkreihe wollen Herausgeber und Verlag Beihilfe zu einer unabhängigen politischen Orientierung leisten. Diese fällt heute weitaus schwerer als in Zeiten der Diktatur und offenen Zensur, denn die Gleichschaltung von heute trägt das Etikett der „Selbstbestimmung“. Das Programm der Vierteljahresschrift – Erkundungsgänge im toten Winkel der öffentlichen Wahrnehmung – verpflichtet auch die Werkreihe. mehr ...

Erkennen und Benennen der Wirklichkeit sind heute Räume subtiler öffentlicher Konsensbildung. Unter Berufung auf höchste Werte (Toleranz, Freiheit, Vielfalt, Gleichheit, Weltoffenheit) stellen regierende und moderierende Vormünder die Weltsicht und Willensbildung des Volkes unter Kuratel und streben diese Gesinnungspflege auch im Internet an. Sie vollziehen einen Kurzschluss zwischen Hypermoral und Ökonomie auf Kosten des Politischen. Grundsatzentscheidungen derer, die schicksalhaft zusammengehören, werden verhindert. Gestritten werden soll möglichst nach einer Sprachregelung, die das Hauptergebnis des Streits vorwegnimmt. Nachdem auf diese Weise dem Wirklichen (und Unerwarteten) ein tugendhaftes Wahrnehmungsfilter aufgesetzt worden ist, startet man Kampagnen gegen „Hetze“ und „Hass“ und gegen „Fakes“ und „Social Bots“ und klagt über das „postfaktische“ Zeitalter. Es geht dabei aber nur vordergründig um die Abwehr von Desinformation. Als „Lüge“ und „Missbrauch“ gilt nun letztlich jede Aussage, die über einen Zustand oder Vorgang nicht auf die korrekte Weise informiert. (Der Kampfruf „Lügenpresse“ wiederum zielt weniger auf die nackte Lüge als auf die einseitige, voreingenommene Berichterstattung.) Wer Wahrnehmung und Sprache vereinnahmt hat, kann fortan humane Biederkeit verkörpern (wie das Berliner Führungspersonal). Vielleicht wird ja demnächst ein Wahrheitsministerium geschaffen und die Ausübung des Wahlrechts auf Absolventen von Aufklärungskursen beschränkt. Auch die Teilung der Gewalten und Zuständigkeiten relativiert sich. Menschenrecht bricht europäisches und nationales Recht, sofern es der Weltkonjunktur frommt und die Machtverhältnisse im Land nicht erschüttert. Im Sinne eines höheren Auftrags verschwimmen die Grenzen zwischen Legislative, Exekutive, Journalismus, Justiz, Wissenschaft, Ethik, Erziehung, Ästhetik und Religion.

Was bei solcher Realitätsbetreuung zu kurz kommt oder völlig ausgeblendet wird, ist Gegenstand der Werkreihe TUMULT: Zusammenhänge zwischen nomadisierendem Kapital und Massenmigration, Kulturgeschichte und Großraumordnung, Energiequellen und Zeitgeist, Machbarkeitswahn und Wachstumszwang, Universalismus und Selbstzerstörung, vorbewusster Erfahrung und Ausdrucksverlangen, zwischen Verortung und Einfühlungskraft oder zwischen Entgrenzung und Transzendenzverlust. In der Werkreihe TUMULT kommen interdisziplinär ermittelnde Selbstdenker zu Wort. Zu ihrer Glaubwürdigkeit trägt es bei, dass sie mehr Faktoren in Betracht ziehen, als dies unter akademischem und journalistischem Produktionszwang geschieht, und ihre Einsichten dennoch zu entschiedenen Thesen verdichten. Die Autoren der Werkreihe arbeiten an der Wiederentdeckung des Wirklichen.
Frank Böckelmann

TUMULT

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