Swipe to the left

Großer Austausch in Mannheim

Großer Austausch in Mannheim
Manu Scriptum 9. Mai 2017

Der Plot des Science-Fiction-Klassikers Invasion der Körperfresser (USA 1956, Regie Don Siegel) erscheint immer wieder wie eine Blaupause für politisch korrekte Gesinnungsumschwünge. Wir erinnern uns: die Einwohner eines kalifornischen Nests werden von außerirdischen Lebewesen geklont und durch Duplikate ersetzt; die Verwandlung geschieht nachts und dauert nur kurz. Wer noch nicht ausgetauscht worden ist, wundert sich: der eigene Onkel, die Tante, der Sohn, die Tochter sprach und verhielt sich gestern noch ganz anders! Daß ihr altes Ich für immer verloren ist, realisieren die Zurückgebliebenen erst, wenn sie selbst an die Reihe kommen.

Was den Einwohnern Santa Miras – so heißt das Nest – in der Fiktion widerfährt, erlitten gestern abend auch die Söhne Mannheims. Der Focus berichtet, daß sie im schwarzen Bus durch eine Tiefgarage in das Technische Rathaus der Stadt gekarrt wurden, um mit dem OB ein «Krisengespräch» zu führen. Als sie vier Stunden später wieder in die Nachtluft traten, waren sie nicht mehr dieselben.

Allemal nicht ihr Frontmann Xavier Naidoo. Er schrieb mit «Marionetten» kürzlich einen Song, der aktuell für so viel wohlfeile Entrüstung in den Medien sorgt, daß wir zuerst dachten, Landser hätten sich neu gegründet und die Auferstehung Hitlers gefeiert. Aber weit gefehlt. Der Song ist hübsch, aber harmlos. Man fragt sich, wie neurotisch eine polit-mediale Klasse sein muß, um sich von ihm auf den Schlips getreten zu fühlen. Es ist, als würde sich jemand über den schlechten Radioempfang beschweren, während draußen die Bomben fallen.

Heute morgen distanzierte sich Xavier Naidoo jedoch auf Facebook von seinem Song. Wie ein unartiger Schüler, der vor der Klasse seine rechte bzw. linke Gesinnung beweisen muß, indem er die Schulordnung runterbetet, erging er sich in Plattitüden und Korrektheitsphrasen. Und gerade darin erkennen wir, daß der ehemals widerständige Naidoo ein solch hohles Gewäsch niemals absondern würde. Nicht anders als die Bewohner Santa Miras ist auch er ausgetauscht worden. Seine Texte werden fortan von seinem Duplikat verfasst. Wir anderen, die wir das erkennen, sollten schleunigst machen, daß wir davonkommen.