Die Toten sind immer die anderen

Rudolf Kreis

Die Toten sind immer die anderen

Spätes Erinnern an eine Jugend zwischen den Kriegen

Rudolf Kreis, Jahrgang 1926, zieht den Leser in den Bann des frühen 20. Jahrhunderts, der Zeit vor den großen Katastrophen. Wir erleben die Armut in der Eifel und den letzten Abglanz der Kaiserzeit. Von der familiären Tiefenerinnerung und den Kindertagen an Rhein und Mosel geht es über die Kriegserlebnisse in der Normandie und die anschließende Gefangenschaft zu den historiografischen Deutungen unserer Tage.

Wir begegnen Gerhard Nebel, der Großmutter »Brasiljisch Marie« und als Retter in der Stunde Null den Großen unserer geistigen Tradition wie Goethe, Heine und dem »Entnazifizierer Nietzsche«. Kreis rekonstruiert minutiös. Er bezieht seinen Maßstab für Gut und Böse nicht aus der Hoffnung auf geschichtsmächtige Potenzen. Selbst die Deutungen, die er zu verschiedenen Zeiten versucht, werden erlebt, sie sind widersprüchlich und vielfältig wie das Geschehene auch. Nach dem Krieg wird Rudolf Kreis Gymnasiallehrer und Literaturwissenschaftler. Seine »Lebenserzählung« endet im Jahre 1945, der Rest ist Epilog.

»Wer im Alter von siebenundsiebzig Jahren beginnt, sein Leben aufzuschreiben, der trifft seine Toten wieder, auch die, die er tötete im Krieg, und alle leben, lachen, leiden und sterben sie in ihm weiter, sucht er sie auf in ihrer Welt. Ich gehe über die großen Gräberfelder der Normandie vorbei an den Legionen weißer Grabsteine, die meisten in der Form von Kreuzen, einige in der des Davidsterns. Dort, wo ich vor sechzig Jahren als ganz junger Richtschütze gekämpft habe, liegen vereint in der einen Erde und doch getrennt immer noch die guten Toten neben den bösen Toten, letztere kollektiv verurteilt und geächtet, obwohl die Jungen alle, fast Kinder noch, sich keines Verbrechens schuldig gemacht haben.Ich war einer von ihnen. Ich zahlte dafür, dass ich sie überlebte.« Rudolf Kreis
3. Auflage 2017
Klappenbroschur
564 Seiten
ISBN: 978-3-938844-11-3

Erscheint am 22. März

24,80 €
Inkl. 7% MwSt., versandkostenfrei

Pressestimmen

Pressestimmen

"Dieses Buch stellt sich als wichtige Ergänzung neben Günter Grass’ »Beim Häuten der Zwiebel« und Martin Walsers »Ein springender Brunnen«. Mit beiden durch viele Parallelen verbunden, unterscheidet es sich durch den Verzicht auf literarische Stilisierung, das Bemühen um Präzision, die Schlichtheit der Erzählung, bei aller szenischen Dichte. Anders als Grass hat Kreis aus seiner Mitgliedschaft bei der Waffen-SS nie einen Hehl gemacht, anders als Walser hat er versucht, die Kindheitserinnerungen in aller Authentizität darzustellen und doch die nachträgliche Bewertung aus gereiftem moralischem und historischem Bewusstsein nicht auszublenden. Dies ist ihm gelungen. Kreis hat gezeigt, dass solche Beleuchtung die Erinnerung nicht verfälscht."
Jan Assmann, Frankfurter Allgemeine Zeitung

Autor

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