Margret Boveri

Die herausragende deutsche Journalistin ihrer Zeit. Geboren 1900 in Würzburg als Tochter des bekannten Biologen Theodor Boveri und der amerikanischen Biologin Marcella O'Grady, gestorben 1975 in Berlin. Nach dem frühen Tod des Vaters (1915) unter der Vormundschaft von Wilhelm Conrad Röntgen. Studium an der Deutschen Hochschule für Politik und Promotion bei Hermann Oncken (»Persönlichkeiten und Apparat der Außenpolitischen Geschäftsführung unter Sir Edward Grey«). 1934 bis 1937 Tätigkeit für das »Berliner Tageblatt«, ab 1938 für die renommierte »Frankfurter Zeitung«. 1935 kurze Haft im Gestapo-Hauptquartier.

Korrespondentin in Stockholm und New York; nach ihrer Ausweisung aus den USA 1942 für kurze Zeit in Lissabon und Madrid. Ab März 1944 wieder in Berlin (»Tage des Überlebens«, 1968, Neuausgaben 1996 und 2004). Ab 1945 freie journalistische Tätigkeit. Zahlreiche Bücher: »Das Weltgeschehen am Mittelmeer« (1936), »Amerikafibel« (1946), »Der Diplomat vor Gericht« (1948, über den Prozeß gegen Ernst von Weizsäcker) sowie das Hauptwerk »Der Verrat im 20. Jahrhundert« (4 Bde., 1956-1960, über die Loyalitätskonflikte zwischen Nation und Ideologie) und »Wir lügen alle« (1965, über die Zeit beim »Berliner Tageblatt« im Nationalsozialismus). Boveri verfaßte Berichte aus dem geteilten Berlin bzw. journalistische Arbeiten für die »Badische Zeitung«, den »Kurier«, die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« (ab 1956), »Die Welt« und »Die Zeit«. Plädoyers für einen »deutschen Weg« mit Äquidistanz zu den Siegermächten in Ost und West, so zum Beispiel für die Anerkennung der DDR 1954 in der Zeitschrift »Merkur«. Posthum erschien 1977 die unter Mithilfe von Uwe Johnson entstandene Autobiografie »Verzweigungen«. .